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Hochwasser 2010


August 2010 – Mit Gottes Hilfe und dank der Unterstützung vieler Menschen ist der Martinshof am zweiten August-Wochenende von einer Katastrophe verschont geblieben. Nach starken Regenfällen war ein Staudamm gebrochen. Eine Flutwelle wälzte sich durch die Neiße auf Rothenburg zu. In der Nacht zum Sonntag, 8. August, ordnete Landrat Bernd Lange die Evakuierung des Martinshofes an. Über 100 alte, teils hoch betagte Menschen, fast 200 Menschen mit teilweise schwersten Behinderungen wurden aus der Nachtruhe gerissen, mussten den heimatlichen Martinshof verlassen und gingen bei strömendem Regen auf eine Reise mit unbekanntem Ziel. Die Johanniter-Unfall-Hilfe, der Malteser-Hilfsdienst, das Rote Kreuz  und örtliche Busunternehmen übernahmen den Fahrdienst.

Einer gütigen Fügung ist es zu danken, dass alle gut unterkommen konnten: in der Klinik des Orthopädischen Zentrums Martin-Ulbrich-Haus,  in der Fachhochschule der Polizei,  im Wilhelmshof, im Krankenhaus der Diakonissenanstalt Emmaus in Niesky und bei der Bundeswehr auf dem Truppenübungsplatz. Der Sonntag war ganz dem Kampf gegen das Wasser gewidmet, das von zwei Seiten den Martinshof  umschloss. Die Einsatzkräfte der örtlichen Feuerwehren und Mitglieder des Technischen Hilfswerkes, die teilweise über hunderte Kilometer aus Thüringen angereist waren, wurden später durch die Bundeswehr unterstützt. So gelang es, den Deich zu verteidigen und den Martinshof zu retten.

Erst am Dienstag war die Flut so weit abgeebbt, dass unsere Bewohnerinnen und Bewohner zurückgeführt werden konnten. Gott sei Dank: Menschen waren nicht zu Schaden gekommen. Dennoch gab es Sachschäden. Unsere Wohngruppe in Lodenau war, wie es ein Bewohner ausdrückte, „abgesoffen“.

Der Martinshof selbst war zwar von der Überflutung durch die Neiße verschont geblieben. Doch hatte sich vielerorts das steigende Grundwasser seinen Weg gebahnt, durch Abflussrohre und Kellerfenster. Nicht überall war es möglich, die Räume zu sichern, denn Menschenleben waren wichtiger als Sachwerte.

Am späten Nachmittag konnten wir die sächsische Sozialministerin Christine Clauß im Martinshof begrüßen. Sie nahm sich viel Zeit für Gespräche mit den Heimgekehrten und den Mitarbeitenden.

Wir haben allen Grund, dankbar zu sein. Wir danken Gott, dass er unseren Martinshof und seine Menschen vor einem schlimmen Schicksal bewahrt hat. Wir danken den vielen Menschen, die uns beigestanden haben.

Zum Zeichen dessen feierten wir am Sonntag, 15. August einen Dank-Gottesdienst in der Rothenburger Stadtkirche. Wir gedachten auch jener, die nicht so glücklich davongekommen waren. Ihnen gehört unsere Anteilnahme.

Im Anschluss an den Gottesdienst waren alle, die uns geholfen und beigestanden haben, zu einem Frühschoppen im Martinshof geladen.


Schnupper-Praktikum für Zivis


Anerkannt als Kriegsdienstverweigerer und noch keine Stelle? Ein Schnupper-Praktikum im Martinshof kann bei der Entscheidung helfen: Junge Männer können ein bis zwei Tage lang ausprobieren, welche Tätigkeit ihnen am besten liegt.

 

In folgenden Bereichen ist ein Einsatz als Zivi möglich.

Altenpflege: Betreuung von pflegebedürftigen Senioren

Wohngruppen: Betreuung von Menschen mit einer geistigen Behinderung,

Werkstatt für Behinderte: Keramikwerkstatt, Industriemontagegruppe

Kindergarten

Bildungs- und Begegnungsstätte Brüderhaus

 

Nähere Informationen gibt es beim Zivildienstbeauftragten Anderas Drese

Tel.: 035891-38 149, Email: a.drese@martinshof-diakoniewerk.de

Foto: Daniela Schreiber


Martins Hof-Theater: Marionetten sind halt auch nur Menschen


Juli 2010 – Holzschnitzer Eli hat eine ganze Stadt mit lebenden Marionetten, den Wemmicks,  bevölkert – und die legen durchaus menschliche Leidenschaften an den Tag. Von der törichten Mode, bunte Schachteln zu horten, lässt sich auch Punchinello anstecken. Auf der Jagd nach immer mehr Sammlerstücken, versetzt er Telefon, Radio und Bett, verkauft sein Haus, verlässt seine Freunde.

Sein Schöpfer Eli ist enttäuscht, hält aber zu ihm, beschirmt sogar seinen Schlaf, als er kein Dach mehr über dem Kopf hat und inmitten bunter Kartons kampiert. Als Punchinello und die anderen Mario-netten schließlich zur Einsicht gelangen, dass sie sich mit ihrer Gier nur schaden, vergibt er ihnen.

Martins Hof-Theater, die Schauspiel-gruppe des Martinshofes, setzte diese Allegorie auf die Menschen und ihren Schöpfer unter der Regie von Regina Jeschke eindrucksvoll in Szene. Im Bühnenraum an der Mittelschule gab Reiner Schreier überzeugend den eigensinnigen und verbohrten Punchinello. Als manchmal verzweifelter, aber immer gütiger Eli brillierte Cathrin Geißler. Die übrigen Rollen spielten Ilona Wels, Torsten Pohle, Gerd Herold und Armin Grasse, die allesamt in Wohngruppen des Martinshofes leben.

Holger Schmidt erzeugte mit Musik und Licht die passende Atmosphäre. Lang anhaltender Applaus belohnte die Akteure für monatelange Proben und einen beeindruckenden Auftritt.

Mit „Punchinello“ und anderen Stücken geht Martins Hof-Theater auch auf Tournee. Ansprechpartnerin: Regina Jeschke, Tel.: 03 58 91-38 130, Mobil: 01520-25 09 162

Foto: C. Lötsch


Parallelwelten: Die Revolution fand im Brüdersaal statt


Paris am 14. Juli 1789: „Tout le monde“, alle Welt trifft sich in der Varieté-Kneipe „Zum grünen Kakadu“: Adelige, Bürger, Schauspieler, Verbrecher, Prostituierte, Aufrührer, Polizeispitzel. Nicht wenige Gäste lassen sich gleich in mehrere Kategorien einordnen. Man liebt sich, hasst sich, schauspielert, zerstreut sich. Während sich draußen die große Revolution zusammenbraut, köchelt drinnen ein wüstes Gemisch aus Realität und Fiktion. Eine Parallelwelt. Die Varietébühne in der Kneipe ist wiederum eine Parallelwelt in der Parallelwelt – doch nicht ohne Einfluss auf die Wirklichkeit. Das bravourös geschauspielerte Geständnis eines Mordes führt schließlich zum höchst realen Tötungsdelikt.

 

Rothenburg am 24. Juli 2010: Alle Welt trifft sich zum Sommertheater im Martinshof. Auf dem Spielplan: „Der grüne Kakadu“ nach Arthur Schnitzler. Geprobt hatte ihn das Ensemble der Spiel- und Theaterwerkstatt Erfurt und des Kinder- und Jugendpfarramts der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands im Freien. Starke Niederschläge am Tag der Aufführung führten dann zu einer typisch deutschen Lösung: Die Revolution fand – frei nach Kurt Tucholsky – im Brüdersaal statt. „Revolution“ auch in dem Sinne, dass die traditionellen Muster von Bühne und Zuschauerraum aufgelöst waren.

Die Akteure: Überall. Das Publikum: Davor, dahinter, dazwischen, drunter und drüber, einbezogen in die Handlung als Revoluzzer, Adelige, Volk. Wobei der Adel, des blauen Blutes wegen, blaue Bändchen zu tragen hatte, die Revolutionäre hingegen an roten Schleifen zu erkennen waren. Niedergerissen die Schranken zwischen Zuschauern und Spielern, zwischen Bühne und Parkett.

Eine Groteske, die ihrem Genre Ehre machte. In diesem Sinne war auch niemand ernstlich überrascht, dass die Schauspielerinnen Hosenrollen spielten, während sich die männlichen Akteure in Cocktailkleider zwängten.

Bereits zum elften Mal gastierten die Theatermacher aus dem Parallel-Freistaat Thüringen im Martinshof. Man freut sich bereits auf das zwölfte Mal.

Foto: C. Lötsch


Feuerwehr zu Gast in der Arche


Juli 2010 – Beim Sommerprojekt des Kinderhauses „Arche“ drehte sich unter dem Motto  „Rette sich wer kann“ alles rund um die Aufgaben der Feuerwehr und um unsere neue Brandschutztreppe.

Zu diesem Thema fand für alle Kindergartenkinder ein gemeinsamer Morgenkreis statt. Dazu haben wir uns drei Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Rothenburg eingeladen.

Groß war die Freude, als das Feuerwehrauto auf unser Kindergartengelände fuhr.

Kamerad Marcel erzählte uns, welche Aufgaben die Feuerwehr hat, nämlich retten, bergen, löschen, schützen.

Zum Abschluss durften wir noch einzelne Funktionen des Feuerwehrautos ausprobieren, wobei das Löschen mit Wasser am meisten Spaß gemacht hat. Mit einem lauten Tatü ta ta verabschiedete sich die Feuerwehr von allen Kindern.

Text: Silvia Blümel


"Hier kommt also unser Hort-Essen her!"


„Wo kommt eigentlich unser leckeres Essen her?“ Diese Frage stellten sich seit langem die Hortkinder des evangelischen Kinderhauses Regenbogen in Görlitz. Auf Einladung von Uwe Walter, Bereichsleiter der Küchenbetriebe im Martinshof, hatten sie nun Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Gemeinsam mit den Betreuerinnen Karin Hüber und Antje Simon machten sie sich auf nach Rothenburg. Gundula Ritter zeigte ihnen, wie die Vorräte gelagert, die Mahlzeiten zubereitet werden. Ein Fahrdienst bringt das Essen dann pünktlich zum Kinderhaus nach Görlitz – und zu vielen anderen Einrichtungen und Einzelpersonen. „Essen auf Rädern“ ist dafür der richtige Begriff, wie die Kinder meinten. „Uns schmeckt es jetzt jedenfalls noch besser“, meinten Isabell (10) und Emelie (8) im Anschluss an die Besichtigung.

Abgerundet wurde der interessante Ferientag durch einen Besuch in der Keramikwerkstatt des Martinshofes. Hier stellen Menschen mit Behinderung viele Kunst- und Gebrauchsgegenstände her - vom kleinen Engel bis zum kunstvoll verzierten großen Steinguttopf.

Fotos: C. Lötsch


Schwerbehindertenvertreter tagten


Juli 2010 – „Schwerbehindertenvertretungen sind wichtige Gremien, um die vielschichtigen Interessen behinderter Menschen wahrzunehmen.“ Das betonte Alfred Franke, Hauptvertrauensperson der Schwerbehinderten im Sächsischen Ministerium für Soziales, zum Auftakt eines dreitägigen Seminars im Brüderhaus. Gekommen  waren Schwerbehindertenvertreter aus Ministerien in Sachsen und anderen Bundeländern sowie ihre Kollegen aus der freien Wirtschaft.

Aktuelle Themen waren neben rentenrechtlichen Problemen, Fachvorträge zum persönlichen Budget, zur Barrierefreiheit im Internet, sowie juristische Gesichtspunkte bei sozialrechtlichen Verfahren, Vermittlung behinderter Menschen  und die Tarifsituation in Sachsen, wie auch die Schulung und Vorbereitung auf die Wahlen für die Schwerbehindertenvertretungen nach dem SGB IX ab Oktober 2010.

Prominenter Gast der Fachtagung war die Bundestagsabgeordnete Maria Michalk (CDU). Sie unterstützt grundsätzlich die Anliegen der Behindertenvertretungen und möchte sich auf Bundesebene u.a. für die Stärkung der Rechte dieser Vertretungen einsetzen.

Stellvertretend für Christine Clauß, Ministerin für Soziales und Verbraucherschutz im Freistaat Sachsen, unterstrich Jürgen Schröder, Abteilungsleiter Personal im Ministerium, in seinem Grußwort die Bedeutung der Schwerbehindertenvertretungen und dankte für die bisherige gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Ein Wichtiger Aspekt war auch der regionale Bezug zum Veranstaltungort. In Vertretung der Rothenburger Bürgermeisterin Heike Böhm berichtete Kerstin Janczak, über die Situation behinderter Menschen in der Stadt Rothenburg sowie über Schwerpunkte ihrer Arbeit.

Foto: Martinshof


Martinshof im Fernsehen


Juni 2010 - "Oberlausitz TV auf Tour" heißt das Sommer-Spezial, in dem jetzt ausführlich "touristische" Aspekte des Martinshofes dargestellt wurden. Moderator Uwe Tschirner sah sich mit der Kamera in der Keramikwerkstatt, im Brüderhaus, in der Gastronomie, im Medizinischen Versorgungszentrum und im Bauernmuseum um.
Fazit: Ein Besuch im Martinshof lohnt sich!
Die Komplette Sendung gibt es auch im Internet unter
http://www.oberlausitztv.de/sendungen/64.html  (Foto: Christoph Lötsch)


"Ritterschlag" für MVZ


Juni 2010 - Das Journal der Stiftung "Lebendige Stadt" hat einen Bericht über das Medizinische Versorgungszentrum Martinshof gGmbH veröffentlicht - quasi ein städtebaulicher "Ritterschlag". Die Stiftung hat es sich nämlich u.a. zur Aufgabe gemacht, kreative und umsetzbare Ideen zur Stadtgestaltung - wie es das MVZ ist - durch Veranstaltungen und Veröffentlichungen weiter zu tragen. Das Mitgliederverzeichnis liest sich wie ein "Who is Who" aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Zum Stiftungsrat gehören u.a. Helma Oroz, Oberbürgermeisterin von Dresden, der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung sowie Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzek.
Die PDF-Datei des Heftes können Sie öffnen, indem Sie auf das Titelblatt klicken. Den Bericht finden Sie auf Seite 30.


Das Älterwerden genießen


Juni 2010 - Jeder Mensch durchläuft verschiedene Lebensabschnitte, macht unterschiedliche Erfahrungen, hinterlässt Spuren.
"Die Schönheit des Herbstes - Das Älterwerden genießen": Unter diesem Motto kamen ältere Menschen mit unterschiedlichen Biographien fünf Tage lang im Brüderhaus zusammen, um Bilanz zu ziehen, Erfahrungen zu teilen und einen Blick in die Zukunft zu wagen. Ein Ganztagesausflug zum Kloster St. Marienthal vermittelte einen Eindruck von der reichen Kulturlandschaft der Oberlausitz. Den Dialog zwischen den Generationen förderten ein Besuch im Mehrgenerationenhaus "Rent"-Haus sowie ein Treffen mit Teilnehmern des Kurses für Zivildienstleistende. Wellness und Entspannung rundeten das Programm ab. (Foto: Christoph Lötsch)


Modellbahnfieber im Brüderhaus


Juni 2010 - 150 Waggons und ebenso viele Besucher, 160 Meter Gleise, 30 Lokomotiven, Signalanlagen und sogar eine Kirche: Das alles passt in den Brüdersaal - vorausgesetzt die Eisenbahn bewegt sich auf der Spur Null. Dann ist sie nämlich 43,5-mal kleiner als das Original.
Modellbahn-Enthusiasten reisten selbst aus Forst und Guben an, um zu erleben, wie Rothenburgs Bürgermeisterin Heike Böhm die Strecke freigab für das Modell des legendären "Adler" - das ist die erste Lokomotive, die auf deutschen Boden fuhr, anno 1835.
Das "Sächsische Spieletreffen der Modelleisenbahner" fand bereits zum zweiten Mal im Martinshof statt. Ein Wochenende lang faszinierte die Schau Bewohner und Gäste. "Gerade bei vielen älteren Menschen werden Kindheitserinnerungen geweckt, wenn Sie in die Rolle des Eisenbahners schlüpfen", so Wilhelm Seehase vom Förderverein für die Erhaltung technischen Kulturgutes e.V. So konnten die Enkel den Opa mal ganz anders erleben: Zum Beispiel als Lokführer im Güterverkehr. Geliefert wurden z. B.  Smarties für die Kleinen - und das gleich waggonweise. Weitere Partner waren die Modellbahn-Direktion Sachsen - Hamburg - Schleswig-Holstein und das Rothenburger Mehrgenerationenhaus "Rent"-Haus. Förderer waren die Bormbardier Transportation GmbH aus Görlitz und das Unternehmen für Sicherheitstechnik, LOC Locatesolution aus Velbert. (Fotos: Ellen-Theresa Rehm)


Ausnahmekünstlerin


Mai 2010 - Sie ist taubstumm. Sie ist fast blind. Und sie malt hinreißende Bilder. Monika Tujek ist in vielerlei Hinsicht eine Ausnahmekünstlerin. Hauptberuflich arbeitet sie in einer Behindertenwerkstatt im polnischen Städtchen Wieruszów, 80 Kilometer ostwärts von Breslau.
Therapeuten entdeckten und förderten ihre besondere Fähigkeit für die Malerei. Inzwischen ist Monika Tujek eine landesweite Berühmtheit. Ihre Träume und Empfindungen drückt sie in ihrer Sprache, nämlich in Farben und Formen aus. Die "sprechenden" Bilder wurden unter anderem im Warschauer Königspalast und im Museum "Johannes Paul II." gezeigt, die Künstlerin hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten.
Nun sind ihre Werke auch in Deutschland zu sehen, genauer: im Martinhof. Zahlreiche Gäste kamen am 7. Mai zur Vernissage - auch, um die Künstlerin persönlich kennen zu lernen. Die musikalische Untermalung übernehmen Musikschülerinnen und -schüler aus Zgorzelec, der nachbarstadt von Görlitz. Die "sprechenden Bilder" sind den Sommer über im Wichern-Haus zu sehen. Der Einritt ist frei. (Fotos: Christoph Lötsch)

Mit Sport 100 geworden

Mai 2010 - Wer in geistiger Frische auf 100 Lebensjahre zurückblicken kann, der hat viel zu erzählen. So ging es auch Arthur Geisler (re.), der am 6. Mai im Francke-Haus des Martinshofes seinen Jubeltag feierte. Wobei sich die meisten Geburtstagsgäste, unter ihnen auch Rothenburgs Bürgermeisterin Heike Böhm (li), einig waren: "Es war der Sport, der den Arthur so jung gehalten hat."
In der Tat: In seinem früheren Wohnort Uhsmannsdorf ist er heute noch als großer Sportsmann bekannt. Kurz nach dem Kriege kam er dorthin, aus dem heute polnischen Grünau bei Hirschberg, arbeitete im Flachglaswerk und in Schwarze Pumpe. Drei Jahre lang machte er seine Leidenschaft zum Beruf, betätigte sich Mitte der 50er Jahre als Sportlehrer. Darüber hinaus betrieb er begeistert Leichtathlethik, war in der Demokratischen Sportbewegung Sektionsleiter und Kampfrichter für Turnen und Gymnastik. Selbst als Segelflieger soll er sich versucht haben. Noch mit Ende 80 betrieb er aktiv Seniorensport. 50 Jahre lang war es Arthur Geisler vergönnt, an der Seite seiner Frau zu leben. Sie verstarb 1993. Drei Kinder gingen aus der Ehe hervor, zwei Töchter und ein Sohn. Ein schlimmer Schicksalsschlag war es für die Familie, als der Junge 1959 durch einen tragischen Unfall ums Leben kam.
Den Geburtstag verbrachte Arthur Geisler im Kreise der Familie und zahlreicher Freunde. Unter den Gästen war auch seine ebenfalls hoch betagte Schwester. Zu den Gratulanten zählten auch Hartmut Knippscheer (2.v.l.), Vorstand des Martinshof Rothenburg Diakoniewerks; Bärbel Schuster (3.v.l.), Bereichsleiterin Altenhilfe.
Eine besondere Freude bereiteten ihm die Mitbewohnerinnen und Mitbewohner des Francke-Haus: "Und in dem Schneegebirge ..." erklang zu Ehren des Jubilars - das Lied aus der alten Hirschberger Heimat. (Foto: Christoph Lötsch)

Kamera ab!

April/Mai 2010 - In vielen Unternehmen sind sie gern gesehen: Alle Jahre wieder absolvieren Mittelschüler der Jahrgangsstufe 9 in ganz Sachsen ihre zweiwöchigen Betriebspraktika. Das macht netto zehn Arbeitstage. Einige Schulen im Kreis Görlitz sind jetzt einen anderen Weg gegangen: "Unsere Schülerinnen und Schüler verbringen insgesamt 15 Tage an den Praktikumsplätzen", sagt der Rothenburger Mittelschulleiter Hans-Joachim Schmidt. "Weil sie aber nicht am Stück, sondern alle 14 Tage am Arbeitsplatz sind, dehnt sich das Praktikum über einen langen Zeitraum. Wir halten das für nachhaltiger als die Blockpraktika."
Das Lausitzer Experiment ist auch im Bundesbildungsministerium zur Kenntnis genommen worden, genauer von der Initiative "Jobstarter". Deren Görlitzer Ableger "Lausitz Matrix" lässt derzeit eine Dokumentation drehen. Der Film soll in Schulen und Unternehmen gezeigt werden, aber auch dem Ministerium zur Auswertung dienen.
Vor der Kamera standen auch Stefanie Adam und Aline Dönnicke, die ihre Praktika im Martinshof Rothenburg Diakoniewerk absolvierten. Stefanie arbeitete im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, hat aber auch Einblick in die Behindertenhilfe genommen. Lampenfieber? "Es ging so", sagt die 15-jährige. Ihre Schulkameradin Aline betätigte sich in der Physiotherapie des Martinhofes, sammelte dort erste Erfahrungen für ihren Wunschberuf. Einen Vormittag lang ließen sich die beiden im Praktikum beobachten. Zum Abschluss gaben sie noch ein Statement - im dritten Anlauf war alles im Kasten. (Fotos: Christoph Lötsch)

Saison-Auftakt im Bauernmuseum

Mai 2010 - Im Rahmen des Frühlingsfestes eröffnete das auf dem Wilhelmshof eingerichtete Bauernmuseum die Saison 2010. Hier können sich die Gäste über die Entwicklung der regionalen Landwirtschaft in den letzten hundert Jahren informieren. Ausgestellt sind viele Geräte und Einrichtungsgegenstände - vom historischen Traktor bis zum Bauernschrank. Unter Aufsicht und Anleitung von Museumsleiter Kurt Günter - hier an einer historischen Häckselmaschine - können Besucher einige der ausgestellten Maschinen auch selbst ausprobieren. Wer es weniger spektakulär mag, kann sich an traditionellem Hausrat versuchen, zum Beispiel an Original-Waschbrettern. (Fotos: Daniela Schreiber, Angelo Kotter)


Schatztruhe im Wilhelmshof


Mai 2010 - Was lange währt, wird endlich gut. Dies trifft besonders auch für Schatztruhen zu. Eigentlich hätte der Behälter bereits vor sechs Jahren am Wilhemshof eingemauert werden sollen. Jetzt wurde das Ereignis nachgeholt, vor zahlreichen Zeugen, nämlich den Besucherinnen und Besuchern des Frühlingsfestes am Wilhelmshof.
Der Inhalt der Schatulle werde künftigen Generationen von den Menschen und ihrem Leben im Wilhelmshof zu Beginn des 21. Jahrhunderts künden, sagt Pfarrerin Petra-Edith Pietz (re.), Theologischer Vorstand des Martinshofes. Unter den eingemauerten Pretiosen sind eine Tageszeitung vom 30. Juni 2004, Fotos und Dokumente vom Leben im Rothenburger Wilhelmshof sowie ein abgelaufener Personalausweis und ein Päckchen Tabak. "Live" zeigte sich das 21. Jahrhundert dann von seiner besten Seite: Mit Kremser- und Traktorfahren, Streichelzoo, Hüpfburg, Speisen vom Grill, frisch gezapften Getränken und nicht zuletzt mit strahlendem Sonnenschein. (Fotos: Angelo Kotter)

"Sag es selbst!"

April 2010 - Hannes arbeitet als Reinigungskraft. Aber der 38-jährige würde auch gerne andere berufliche Erfahrungen machen. "Mehr Beratung, was es noch für Möglichkeiten gibt", wünscht er sich. Die 17-jährige Bianca träumt von einem Job als Köchin. Margitta, Mitte 40, hätte gern eine eigene Wohnung. Vielleicht können sie eines Tages ihre Träume wahr machen. Einen großen Schritt haben sie getan, indem sie ihre Wünsche in Worte fassen und aussprechen.
"Sag es selbst - Menschen mit Behinderung nehmen ihr Leben in die eigene Hand und achten auf sich." So heißt der dreitägige Workshop des Martinshof Rothenburg Diakoniewerks. Etwa 80 lernbehinderte und geistig behinderte Menschen aus ganz Sachsen kamen zusammen, um zusammen zu arbeiten, zu diskutieren und zu feiern. Vor allem aber besprachen Sie die Möglichkeiten eines selbstbestimmten Lebens.
Zur Wahl standen mehrere Lebensbereiche: eigener Wohnraum, Partnerschaft und Liebe, Beruf und Ausbildung sowie die persönlichen Finanzen. Wie setze ich mich gegen Zudringlichkeiten und Übergriffe zur Wehr? Wer hilft bei der Wohn ungssuche? Wie finde ich einen Lebenspartner? Was ist bei der Wahl des Ausbildungsplatzes zu beachten? Wie beantrage ich Geld, und wie gehe ich damit um? Das waren einige Fragen, mit denen sich die Teilnehmer auseinandersetzten.
Ziel des Workshops ist es, Menschen mit Behinderung ein möglichst eigenes und verantwortungsvolles Leben zu ermöglichen. Von ihren Mitmenschen werden oft sie auf ein Rollenmuster determiniert - gerade auch von denen, die es eigentlich gut mit ihnen meinen. Denn auch übermäßige Fürsorge kann einschränken, "behindern".
Zum selbstbestimmten Leben gehört es übrigens auch, Träume zuzulassen und zu äußern - selbst wenn die zunächst unerreichbar scheinen: Ein Autorennen fahren, Trucker oder Feuerwehrfrau werden, in einem Schloss wohnen ...
Viele der Tagungsteilnehmer sind mit neuem Selbstbewusstsein nach Hause gefahren, wollen sich nicht mehr durch hochgestochenes Gerede beeindrucken und überfahren lassen. Mit einem großen Button fordern sie Beteiligung ein. Der Anstecker zeigt ein stilisiertes Stopp-Schild. "Halt", ist darauf zu lesen, "einfache Sprache!"
Dass das Thema voll im Trend liegt, zeigt die enorme Nachfrage. "Mit über 130 Anmeldungen ist die Tagung binnen kurzer Zeit ausgebucht gewesen. Es gibt schon eine Warteliste, um beim nächsten Mal dabei zu sein", so Andreas Drese vom Martinshof. Ein Termin für die Neuauflage von "Sag es selbst" steht bereits fest: vom 10. bis 12. Mai 2011. (Fotos: Ellen-Theresa Rehm)

 


"Martins Hof-Theater"


Januar 2010 - Man stelle sich vor: Ein Holzschnitzer bevölkert eine ganze Stadt mit Marionetten. Ob das gutgehen kann? Schließlich sind Holzpuppen ja auch nur Menschen ...
"Punchinello" heißt das Stück der seit 17 Jahren von Regina Jeschke geleiteten Theatergruppe des Martinshof Rothenburg Diakoniewerks.
Einen Ausschnitt führten die Laienschauspieler aus einem besonderen Anlass vor über 50 Gästen auf: Endlich hat das Theater einen Raum zum Proben und Spielen, nahe der Rothenburger Schwimmhalle in der Friedensstraße.
Zur Einweihung gab es weitere Kostproben aus dem anspruchsvollen und technisch aufwändigen Repertoire: Eine biblische Szene aus der Schöpfung sowie eine Schwarzlicht-Show aus "Die Wunderwelt der Tiere". Dargeboten wurden die Ausschnitte von den drei Teil-Ensembles aus Wohngruppen in Weißwasser, Niesky, Lodenau und Rothenburg. Insgesamt 20 Akteure im Alter von 19 bis 55 Jahre gehören zur Truppe. Viele andere betätigen sich hinter den Kulissen, als Techniker, Handwerker, Reinigungskräfte, Kraftfahrer und Sponsoren.
"Theaterspielen ist eine Gabe Gottes", sagte Pfarrerin Petra-Edith Pietz, Theologischer Vorstand des Martinshofes. Sie bezog sich dabei auf das biblische Gebot, wonach die Menschen einander mit den von Gott empfangenen Gaben dienen sollen.
Achim Trobisch, Bereichsleiter für heilpädagogische Einrichtungen im Martinshof, lüftete ein gut gehütetes Geheimnis: Den Namen des Ensembles. Die Theatergruppe des Martinshofes heißt fortan "Martins Hof-Theater".
Geprobt wird dreimal in der Woche jeweils zwei Stunden. Mit ihrem Repertoire gehen Martins Hof-Schauspieler übrigens auch auf Tournee, spielen unter anderem für Kirchengemeinden. "Wir bringen auch eigene Technik mit", so Ensemble-Chefin Regina Jeschke, bei der die Auftritte gebucht werden können. Zu erreichen ist sie im Martinshof unter 035891-38 130. (Foto: Christoph Lötsch)


Berliner "Viel-Harmoniker"


Januar 2010 - Ein viel-harmonisches Konzert - das war am Donnerstag, 28. Januar, der Höhepunkt eines zweiwöchigen Praktikums von acht Berliner Gymnasiasten an der Grundschule Rothenburg. Innerhalb von nur drei Tagen hatten sie mit Schülerinnen und Schülern der Klassen eins bis vier ein beeindruckendes Repertoire eingeübt, unter anderem eine fetzige Version von "Jingle Bells" und eine Interpretation des Mega-Hits "Kids" der Gruppe MGMT. Die Berliner Praktikanten gehören zur Klasse 10 b des evangelischen Gymnasiums "Zum Grauen Kloster". Insgesamt 26 Schülerinnen und Schüler waren Gäste des Brüderhauses im Martinhof. Sie engagierten sich im Rahmen eines Sozialpraktikums unter anderem in der Alten- und Behindertenhilfe. (Foto: Christoph Lötsch)


Schüler im Praktikum


Januar 2010 - Um viele Erfahrungen reicher kehrten jetzt 26 Schülerinnen und Schüler des in Berlin ansässigen evangelischen Gymnasiums "Zum Grauen Koster" aus der niederschlesischen Oberlausitz zurück. Im Martinshof absolvierten die Zehntklässler Ende Januar ein zweiwöchiges Sozialpraktikum, engagierten sich unter anderem in der Alten- und Behindertenpflege sowie in der Kinderbetreuung.
Rabea Sahr (16) und Leo Buddensieg (15) betreuten im Altenpflegeheim Francke-Haus hochbetagte Menschen. "Füttern, Spazieren gehen, Brettspiele spielen. Nach der ersten Begegnung gab es keine Barriere mehr", sagt Rabea. "Es macht wirklich Spaß." Für Leo besonders wichtig: "Die alten Menschen brauchen Zeit und Zuwendung. Dann kommt auch viel zurück, und das ist für uns ein Ansporn. Ich fand es unglaublich interessant, was sie uns von früher erzählt haben."
Das Sozialpraktikum ist im Grauen Kloster fester Bestandteil des Unterrichtsplans. Klassenlehrerin Katharina Roß: "Es war eine gute Erfahrung." (Foto: Christoph Lötsch)

 
   
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